Der Feind am Boden oder in der Luft

NABU gibt Tipps zum Schutz von Gartenvögeln vor Beutegreifern

 

Die Amsel zetert, der Zaunkönig rattert seine Warnrufe herunter - kein Zweifel, da ist irgendeine Bedrohung im Anzug. Vielleicht turnt eine Elster im Apfelbaum oder Nachbars Katze schleicht durch den Garten. Wer Vögel im Garten hat, kennt diese Szenen und sorgt sich gemeinsam mit den Vogeleltern um Eier und Brut. Beutegreifer sind auch in dieser Brutsaison wieder ein heiß diskutiertes Thema. Der NABU gibt Tipps, wie man den Vögeln helfen kann und ruft zur Versachlichung der Diskussion auf.

Vogeleier und Nestlinge können Rabenvögeln, dem Sperber oder einem Specht zum Opfer fallen. Weitere Nesträuber sind Marder, Katzen und Eichhörnchen. Nach Aussagen von NABU-Biologin Jutta Over ist es jedoch weder möglich noch sinnvoll, alle Beutegreifer aus den Siedlungsgebieten zu vertreiben, denn diese haben auch ökologische Funktionen. Rabenvögel sorgen sogar für Hygiene, indem sie Aas fressen und Schädlinge vertilgen, Marder und Katzen tragen erheblich zur Eindämmung von Mäuse- und Rattenplagen bei. Dennoch muss man die Gartenvögel nicht schutzlos allen Gefahren aussetzen und kann einiges tun, um sichere Brutplätze und Rückzugsräume zu schaffen.

So gibt es mittlerweile verschiedene Nistkastenmodelle mit vorgezogenen, katzen- und mardersicheren Giebeln. Das Einflugloch liegt dabei entweder auf oder unter dem Giebel, sodass Beutegreifer nicht durch das Loch zum Nest langen können oder das Loch erst gar nicht erreichen. Halbhöhlenkästen sollten an unzugänglichen Hauswänden aufgehängt werden. An Baumstämmen hilft ein Marderabwehrgürtel gegen kletternde Nesträuber.

Schwieriger ist es, die Nester der Busch- und Bodenbrüter zu schützen. Hier sei es wichtig, reichhaltige, Strukturen im Garten zu schaffen: Gebüsche aus heimischen Sträuchern, dornige Hecken, Hochstaudenbeete und Rankgerüste bieten vielfältige Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten. Ein kleinräumig unterteilter Garten sei im Übrigen auch für das menschliche Auge interessanter, als ein mit einem Blick überschaubarer Rasenplatz und böte zudem für Kinder tolle Spielgelegenheiten, meint die Naturschützerin.

Als "Sofortbiotop" bezeichnet Over einen großen, dicht gepackten Reisighaufen in einer Gartenecke. Zaunkönig und Rotkehlchen würden hier umgehend Quartier nehmen. Im Winter ziehen dann Igel und Erdkröten dort ein. Lässt man den Bereich noch mit Brombeeren beranken, wird er zu einer uneinnehmbaren Festung. Wer etwas mehr Aufwand betreiben möchte, kann auch aus einem freistehenden Strauch eine schöne Fluchtburg für Vögel machen. Hierzu wird zunächst ein geeigneter Strauch, etwa ein Feldahorn, so beschnitten, dass sich viele Astquirle bilden, die zum Nestbau einladen. Dann wird der Strauch in einem Abstand von 50 cm rundum vollständig mit einem Rankgitter umbaut, dessen Maschen so eng sind, dass keine Katze hindurchpasst, dass die Vögel aber ungehindert hindurchschlüpfen können. Das Gerüst kann mit Duftwicken, Feuerbohnen oder Hopfen berankt und so zu einem attraktiven Hingucker gemacht werden.

Vogeltränken sollten so aufgestellt oder gehängt werden, dass die Umgebung keine Deckung für Nesträuber bietet. Die Biologin rät zudem, auf Futterstellen während der Brutzeit ganz zu verzichten, da diese nicht nur Fressfeinde anlocken, sondern auch zur Verbreitung von Krankheitskeimen beitragen.

Die Diskussion um das Thema Katzen und Gartenvögel wird immer wieder sehr emotional geführt. Hier möchte der NABU zur Versachlichung beitragen. Ein wochenlanges Wegsperren von Freigängerkatzen - wie immer wieder gefordert - könne von keinem Tierhalter, der sein Tier liebt, durchgehalten werden. In der Zeit, in der die Jungvögel flügge werden – erkennbar an den immer lauter werdenden Bettelrufen aus dem Nest – ist es aber ratsam, die Katzen zumindest in den frühen Morgenstunden im Haus zu lassen. „Das ist die Zeit, in der die Jungvögel erstmals ausfliegen und besonders stark gefährdet sind“ appelliert Jutta Over an die Katzenhalter. Auch könne man manche Katzen ganz gut an nächtliche Aktivität gewöhnen. „Eine Katze, die die ganze Nacht auf Mäusejagd war, verschläft den Tag dann einfach im Körbchen“.

Unsere heimischen Vogelarten sind im Übrigen an Landraubtiere wie Marder oder Wildkatzen angepasst und reagieren mit entsprechendem Verhalten wie Warnrufen, Ablenkungsmanövern oder auch mit einer erhöhten Nachkommenzahl. Bei einer Kohlmeise, die zweimal im Jahr zwölf Eier legt ist – so grausam es klingt – ein gewisser Verlust von der Natur mit einkalkuliert.

  

Jutta Over (v. i. S. d. P.)
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NABU.EL-NOH@t-online.de
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