380-kV-Leitung: NABU äußert sich kritisch
 
Völlig unverständlich ist für den NABU, dass der Vorhabenträger an keiner Stelle eine Erdverkabelung vorsieht, obwohl dies in der Landesplanerischen Feststellung des Landkreises Emsland zur Maßgabe gemacht wurde. Gerade im Hinblick auf das Schutzgut "Mensch" würden so erhebliche Beeinträchtigungen unnötig billigend in Kauf genommen. Auch seien Alternativtrassen nur unzureichend geprüft oder aus nicht nachvollziehbaren Gründen verworfen worden. 

Weiter kritisieren die Naturschützer, dass die entscheidungserheblichen Gutachten über Lebensräume, Vögel, Fledermäuse, Reptilien und Amphibien nicht mit öffentlich ausgelegt wurden. Allerdings sei schon anhand der ausgelegten Unterlagen erkennbar, dass die Bestandserfassungen wesentliche Mängel aufweisen. So wurden beispielsweise bei den Rastvögeln lediglich 3, statt der erforderlichen 42 Begehungen durchgeführt. Heuschrecken und Tagfalter wurden überhaupt nicht erfasst. Und viele, dem NABU bekannte Vorkommen seltener und gefährdeter Arten (z.B. von Uhu und Kranich) wurden gar nicht festgestellt und folglich auch bei der Planung nicht weiter berücksichtigt. 

Aus Sicht des NABU lassen sich anhand der Planungsunterlagen auch erhebliche Beeinträchtigungen der Flora-Fauna-Habitat (FFH-) Gebiete nicht mit der erforderlichen Gewissheit ausschließen. Besonders kritisch sei dies beim Lingener FFH-Gebiet "Moorschlatts und Heiden in Wachendorf" und seiner Umgebung, weil in den Raum schon viele öffentliche Fördermittel geflossen seien. Diese Optimierungsbemühungen würden durch die geplante Stromleitung gefährdet und die Eignung des Bereichs für Naherholung und Tourismus würde massiv beeinträchtigt. 

Außerdem findet der Naturschutzbund, dass die artenschutzrechtlichen Belange nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Gerade bei den Offenlandarten wie Kiebitz, Großer Brachvogel und Feldlerche, die zur Zeit eh unter starken Bestandsrückgängen leiden, seien für die zu erwartenden Beeinträchtigungen nicht in ausreichendem Maß Kompensationsflächen vorgesehen. 
Der NABU hofft nun, dass die Planungsunterlagen aufgrund der Einwendung überarbeitet werden und die öffentliche Auslegung noch einmal wiederholt wird.